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„Alleine kann man nichts bewegen“

Bruchköbel – „Vor Weihnachten haben sich hier die Pakete gestapelt“, erzählt Gerald Spiegelhalter und deutet auf den großen Tisch in seinem Esszimmer. Die Geschenke, kleine Artikel aus der Bruchköbeler Geschäftswelt, haben er und seine Frau sowie Vorstandsmitglieder der Fritz-Hofmann-Stiftung liebevoll verpackt. Es waren mehr als 100. So viele Kinder der Stadt werden derzeit von der Stiftung unterstützt.

„Da war bei uns mal wieder ganz schön was los“, sagt der neue Vorsitzende und lacht. Trubel ist in seinem Haus nämlich nichts Neues. Seit 17 Jahren schon verwandeln Gerald und Renate Spiegelhalter das schmucke kleine Fachwerkgebäude und den Garten für ein Wochenende im Sommer in eine urige Gastwirtschaft. 50 Helfer sorgen dann dafür, dass es den wechselnden Gästen auf den 30 Bierzeltgarnituren im Hof und auf der Gasse an nichts mangelt. Der „Hof Spiegelhalter“, mitten in der Altstadt, gehört zu den beliebtesten Anlaufpunkten der Bruchköbeler beim traditionellen Hof- und Gassenfest. Beliebt sind vor allem der Schinken und das Bier, beides importiert Spiegelhalter aus seiner Schwarzwälder Heimat. Und natürlich der Pfälzer Wein und die gute Wurst, die seine Frau Renate, eine Metzgermeisterin, aus dem Vogelsberg holt.

Mit den Einnahmen – beim letzten Male waren es rund 5000 Euro – werden Projekte unterstützt, die der Förderverein der Haingartengrundschule in Bruchköbel auf die Beine stellt. Zwar sind die beiden Söhne Moritz (27) und Christian (24) schon lange erwachsen, doch gehören die Spiegelhalters nach wie vor zu den Aktivposten der Elternvertretung. „Wie das so ist“, sagt Spiegelhalter, „aus Mitstreitern werden irgendwann gute Freunde und man bleibt dabei.“ Kontakte herzustellen und diese auch zu pflegen, darauf versteht sich der 66-Jährige. Sein Credo: „Alleine kann man nichts bewegen.“ Und auch in seiner neuen Funktion als Chef der Fritz-Hofmann-Stiftung setzt er auf die Kraft der Gemeinschaft, will bestehenden Kontakte nutzen und auch viele neue aufbauen.

In seinem Berufsleben hatte es Gerald Spiegelhalter meist mit Menschen zu tun, denen es an nichts fehlte. Zumindest nicht an Geld. Als Kundenberater im Privatkundengeschäft des renommierten Frankfurter Bankhauses Metzler half er vermögenden Kunden durch individuelle Anlagestrategien, ihre Ziele zu erreichen. Seit einem Jahr ist er jetzt Rentner und hat den Fokus neu ausgerichtet. Seine neue Zielgruppe: Bruchköbeler Kinder bis 14 Jahren, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind. „Sozial benachteiligt oder auf der Flucht.“ So hat der Gründer Fritz Hofmann den Stiftungszweck formuliert. Hofmann verdiente sein Geld einst als Diamantschleifer. Die Stiftung unterstützt beispielsweise, wenn es an Geld für Kleidung fehlt, eine Klassenfahrt bezahlt werden muss oder Schulmaterial angeschafft werden soll.

Soziales Engagement kannte Spiegelhalter auch schon aus seinem Job. Das sei beim Bankhaus Metzler zwar nicht explizit gefordert, von der Eigentümerfamilie und den Führungskräften allerdings aktiv vorgelebt worden. Deshalb bedurfte es für ihn auch keiner großen Überlegung, als man ihn fragte, ob er sich in der Stiftung einbringen würde. Zunächst als zweiter Vorsitzender und seit März nun als Chef. Er hat Lutz Heyer abgelöst, der jetzt die Rolle des Ehrenvorsitzenden bekleidet.

Eine bessere Wahl für die Nachfolge Heyers hätte man nicht finden können, findet Bruchköbels Bürgermeisterin Sylvia Braun. Auch sie gehört qua Amt dem Vorstand der Stiftung an. In schwierigen Zeiten vertraut sie auf die Erfahrungen des erfahrenen Finanzfachmanns, der während seines Berufslebens, davon die letzten 23 Jahre im Bankhaus Metzler, auch viele Stiftungen zu seinen Kunden zählte.

Stiftungen, die ihre wohltätigen Ziele, vor allem mitZinserträgen finanzieren, haben es in der schon seit Jahren andauernden Niedrigzinsphase bekanntlich nicht leicht. Die Renditen festverzinslicher Anlagen sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gefallen. Das Stiftungskapital wirft heute deutlich weniger ab als in der Vergangenheit. Mit einem Kapital von 970 000 Euro gehört die Fritz-Hofmann-Stiftung zwar nicht zu den kleinen, aber auch nicht zu den ganz großen Playern im Stiftungswesen. Standen in zinsreichen Zeiten mit fünf bis sechs Prozent jährlich deutlich höhere Erträge zur Verfügung, so liegt das Gesamtbudget nun durchschnittlich bei der Hälfte. In den vergangenen Jahren war man immer mehr auf Spenden angewiesen, um Projekte fortzuführen. Nach Ansicht Spiegelhalters gibt in einer solchen Situation für Stiftungen folgende Optionen: die Ausgaben reduzieren, die Einnahmen durch Spenden erhöhen, oder eben für einen Teil des Vermögens ein etwas höheres Risiko bei mit Bedacht gewählten Anlagen einzugehen. Langsam und langfristig strebt Spiegelhalter vor allem Letzteres an. Sein Ziel: In 20 Jahren soll der Anteil der Aktien beim Stiftungskapital bei 60 bis 80 Prozent liegen. Auch dabei setzt er auf Teamwork. Er möchte einen Finanzausschuss gründen und diesen mit kompetenten Leuten besetzen.

Bei der Suche nach Spendern sei man in der Vergangenheit recht erfolgreich gewesen, da wolle man weiter fleißig akquirieren. Es gebe viele gute Idee in der Stiftung, sagt er, und auch Veranstaltungen wie die Kinder-Kulturtage sollen nach der coronabedingten Pause ins Programm zurückkehren. Damit will sich die Stiftung noch tiefer in der Gesellschaft verankern.

Bisher treten die Stiftungsgremien vier Mal im Jahr zusammen. In diesem Rahmen wird dann auch über die Anträge entschieden, die die Eltern zur finanziellen Unterstützung einreichen müssen. Spiegelhalter will die Zahl der Sitzungen verdoppeln, damit die Hilfe noch schneller und zielgerichteter zu den Kindern kommt. Und er will das Gespräch suchen. Beispielsweise mit Lehrkräften und Erzieherinnen, die Kontakt zu den Familien und den Kindern haben und wissen, worauf es ankommt. Sie können den Kontakt zur Stiftung herstellen. Denn er ist fest davon überzeugt, dass die Dunkelziffer der Familien, die Hilfe benötigen, wesentlich höher ist. „Wir wollen den Menschen die Scham nehmen, Hilfe zu beantragen und anzunehmen, wenn sie notwendig ist. Auch wir können nicht alle Probleme lösen. Aber manchmal sind es Kleinigkeiten die Kinderaugen zum Leuchten bringen.“

 


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